Propolis
Das Kittharz der Bienen – ein faszinierender Naturstoff und wichtiger Bestandteil des natürlichen Schutzsystems im Bienenvolk.
Propolis – der Schutz des Bienenvolkes
Propolis, auch Kittharz, Bienenharz oder Bienenleim genannt, ist ein harziger Naturstoff, den die Bienen von Knospen, Rinde und harzigen Stellen verschiedener Bäume sammeln und im Bienenstock weiterverarbeiten.
Für das Bienenvolk ist Propolis weit mehr als eine Bausubstanz. Die Bienen verwenden es zum Abdichten von Ritzen und Spalten, zum Stabilisieren bestimmter Bereiche des Stockes und zur Beschichtung von Oberflächen.
Besonders bemerkenswert ist seine Rolle im hygienischen Zusammenleben des Bienenvolkes. In einem dicht besiedelten Bienenstock müssen die Bienen mit Krankheitserregern umgehen, ohne dass sich diese ungehindert ausbreiten.
Propolis ist gewissermaßen die natürliche Schutzschicht des Bienenstocks.
Was für den Baum ein Schutzharz ist, wird von der Biene zu einem besonderen Bestandteil ihrer Stockhygiene verarbeitet.
Woher kommt Propolis?
Die Bienen sammeln harzige Ausscheidungen vor allem an Baumknospen und anderen harzreichen Stellen. Als Quellen kommen beispielsweise Pappeln, Rosskastanien, Birken, Erlen, Kiefern und Fichten in Frage.
Das gesammelte Harz wird von den Bienen mit körpereigenen Bestandteilen vermischt und anschließend im Bienenstock als Propolis verwendet. Seine genaue Zusammensetzung kann deshalb je nach Pflanzenart, Herkunft, Jahreszeit und weiteren Bedingungen deutlich variieren.
Warum brauchen Bienen Propolis?
Ein Bienenvolk besteht aus vielen tausend Tieren, die auf engstem Raum zusammenleben. Deshalb ist eine funktionierende Stockhygiene von großer Bedeutung.
Mit Propolis können die Bienen kleine Spalten und unerwünschte Öffnungen abdichten. Außerdem wird es eingesetzt, um bestimmte Oberflächen zu überziehen und das Innere des Bienenstocks hygienisch zu halten.
Auch größere Fremdkörper können für die Bienen zum Problem werden. Kann ein eingedrungenes Tier nicht aus dem Stock entfernt werden, können die Bienen den Kadaver mit Propolis überziehen. Dadurch wird der Fremdkörper vom übrigen Bienenvolk abgeschirmt.
Ein natürlicher Schutzfilm
Im Bienenstock findet sich Propolis häufig an Stellen, an denen die Bienen eine besondere Abdichtung oder Beschichtung benötigen. Der typische harzige Duft gehört für viele Imker unmittelbar zum Geruch eines Bienenstocks.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beschreibt Propolis als Sammelerzeugnis der Flugbienen aus harzigen Überzügen von Baumknospen. Als wichtige Verwendung werden unter anderem das Abdichten des Kastens und das Überziehen toter Tiere genannt.
Propolis historisch gesehen
Die Verwendung von Propolis hat eine lange Geschichte. Bereits im alten Ägypten wurde das Harz im Zusammenhang mit der Einbalsamierung verwendet. Auch in der griechischen und später in der arabischen Medizin wurde Propolis beschrieben.
Der Name Propolis stammt aus dem Griechischen und wird sinngemäß mit „vor der Stadt“ beziehungsweise „für das Gemeinwesen“ verbunden. Damit lässt sich auch die Funktion im Bienenvolk gut beschreiben: Propolis wird an den Grenzen und im Inneren des Bienenstocks zum Schutz und zur Abdichtung eingesetzt.
In historischen Quellen wurden dem Kittharz zahlreiche Anwendungen zugeschrieben. Diese Überlieferungen zeigen, wie lange Menschen die besonderen Eigenschaften dieses Bienenproduktes beobachtet und genutzt haben.
Was steckt in Propolis?
Propolis ist kein überall gleich zusammengesetzter Stoff. Je nachdem, von welchen Pflanzen die Bienen das Harz sammeln, können sich Farbe, Geruch, Konsistenz und Inhaltsstoffe unterscheiden.
Die LWG (Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau) nennt als grobe Zusammensetzung etwa 55 Prozent Harze und Balsame, 30 Prozent pflanzliche Wachse, 10 Prozent leicht flüchtige ätherische Öle und etwa 5 Prozent Pollenkörner. Außerdem können Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und verschiedene pflanzliche sowie bieneneigene Bestandteile enthalten sein.
Zu den besonders untersuchten Stoffgruppen gehören unter anderem Flavonoide und phenolische Verbindungen.
Die Farbe verrät etwas über die Herkunft
Propolis kann ganz unterschiedlich aussehen. Die Farbe reicht – abhängig von der Herkunft – von gelblich und rötlich über braun bis hin zu sehr dunklen Farbtönen.
Auch die Konsistenz verändert sich mit der Temperatur. Warmes Propolis kann weich, glänzend und klebrig sein. Bei niedrigen Temperaturen wird es fest und kann spröde werden.
Wie wird Propolis gewonnen?
Imker gewinnen Propolis traditionell durch das Abschaben von den Rähmchen und anderen Stellen im Bienenstock, an denen die Bienen Kittharz aufgetragen haben.
Eine gezieltere Methode ist der Einsatz spezieller Propolisgitter. Die Bienen empfinden die feinen Zwischenräume als störend und verkleiden sie mit Kittharz. Wird das Gitter anschließend gekühlt oder tiefgefroren, lässt sich das spröde gewordene Propolis leichter lösen.
Nach der Ernte werden Verunreinigungen wie Wachs und andere Bestandteile möglichst entfernt. Für verschiedene Produkte wird das gereinigte Propolis anschließend weiterverarbeitet.
Propolis als Tinktur und in anderen Zubereitungen
Propolis kann in unterschiedlichen Formen angeboten werden. Bekannt sind unter anderem Rohpropolis, Granulat, Pulver, Tinkturen und kosmetische Zubereitungen.
Bei Tinkturen wird Propolis mit einem geeigneten Lösungsmittel extrahiert. Je nach Produkt unterscheiden sich Konzentration, Zusammensetzung und Anwendung deutlich.
Auch Salben und andere äußerlich anzuwendende Produkte werden mit Propolis hergestellt.
Propolis und die Gesundheit
In der Naturheilkunde wird Propolis seit langer Zeit wegen seiner keimhemmenden Eigenschaften geschätzt. Untersuchungen zeigen tatsächlich, dass Propolis unter bestimmten Bedingungen das Wachstum verschiedener Mikroorganismen hemmen kann.
Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen solchen Eigenschaften im Labor und einer nachgewiesenen Wirkung beim Menschen.
Heutiger Wissensstand:
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass für Propolis-Nahrungsergänzungsmittel keine zugelassene gesundheitsbezogene Werbeaussage besteht. Laborbefunde zu antibakteriellen oder antimykotischen Eigenschaften lassen sich nicht automatisch auf eine gesundheitliche Wirkung beim Menschen übertragen.
Propolis und das Immunsystem
Historische Bücher und die Naturheilkunde verbinden Propolis häufig mit dem Begriff „Immunschutz“. Diese Bezeichnung passt zunächst zur natürlichen Funktion von Propolis im Bienenstock: Dort trägt es zur Hygiene und zum Schutz vor bestimmten Mikroorganismen bei.
Für den Menschen ist jedoch eine klare Unterscheidung notwendig. Dass Propolis im Bienenstock eine wichtige Schutzfunktion besitzt, bedeutet nicht automatisch, dass die Einnahme von Propolis beim Menschen das Immunsystem stärkt.
Vorsicht bei Propolis
Propolis ist ein natürlicher Stoff, kann aber allergische Reaktionen auslösen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist ebenso wie die Verbraucherzentrale auf das allergene Potenzial hin.
Menschen mit bekannten Allergien gegen Bienen- oder Wespenprodukte sollten bei Propolis besonders vorsichtig sein. Auch für Schwangere und Stillende wird von der Verbraucherzentrale wegen unzureichender Daten zur Sicherheit vom Verzehr abgeraten.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist außerdem auf Herkunft und Qualität zu achten. Die Zusammensetzung von Propolis kann stark schwanken, und es sind auch Verunreinigungen möglich.
Ein faszinierendes Zusammenspiel von Baum und Biene
Propolis zeigt eine besondere Verbindung zwischen Pflanzen und Bienen.
Der Baum bildet Harz an Knospen und verletzten Stellen als Teil seines eigenen Schutzsystems. Die Bienen sammeln dieses Harz, verändern es und setzen es anschließend im Bienenstock ein.
So wird aus einem pflanzlichen Schutzstoff ein wichtiger Bestandteil der Lebensgemeinschaft Bienenvolk.
Ein Schatz aus dem Bienenstock
Propolis gehört neben Honig, Wachs, Pollen und Gelée Royale zu den faszinierenden Naturprodukten der Bienen.
Seine eigentliche Bedeutung zeigt sich dabei nicht zuerst in seiner Verwendung durch den Menschen, sondern in seiner Funktion innerhalb des Bienenvolkes. Dort wird es zum Abdichten, Beschichten und Abschirmen eingesetzt.
Vielleicht ist genau das die besondere Faszination des Kittharzes: Die Bienen sammeln einen Stoff aus der Natur und verwandeln ihn in einen Bestandteil ihres eigenen Schutzsystems.
Kurz zusammengefasst
- Propolis wird auch Kittharz oder Bienenharz genannt
- die Bienen sammeln Harz vor allem an Knospen und harzigen Pflanzenteilen
- im Bienenstock dient Propolis unter anderem zum Abdichten und Beschichten
- eingedrungene oder tote Tiere können mit Propolis überzogen werden
- Farbe und Zusammensetzung hängen stark von Herkunft und Pflanzenquelle ab
- Propolis enthält vor allem Harze, Wachse und weitere pflanzliche und bieneneigene Bestandteile
- Flavonoide und andere phenolische Verbindungen gehören zu den untersuchten Stoffgruppen
- Propolis wird als Rohstoff, Granulat, Pulver, Tinktur und in kosmetischen Produkten verwendet
- im Labor wurden keimhemmende Eigenschaften beobachtet
- eine entsprechende gesundheitliche Wirkung beim Menschen ist damit nicht automatisch nachgewiesen
- Propolis kann allergische Reaktionen auslösen
Quellen und Literatur
Wilh. E. Ronneburg: Propolis, der Immunschutz der Bienen, aus dem von dir bereitgestellten Text zusammengefasst und für die Homepage neu formuliert.
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Informationen zu Propolis, Herkunft, Zusammensetzung und Gewinnung.
Verbraucherzentrale: aktuelle Informationen zu Propolis, gesundheitlichen Aussagen, Allergien und möglichen Risiken.
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Einschätzung von Propolis und Gelée Royale.
Historische Aussagen aus dem bereitgestellten Buch wurden bewusst als historische Darstellungen formuliert und nicht als heutige medizinische Tatsachen übernommen.