Gelée Royale
Der besondere Futtersaft der Bienenkönigin – ein faszinierendes Naturprodukt aus dem Inneren des Bienenvolkes.
Der besondere Saft der Bienenkönigin
Gelée Royale, auch Weiselfuttersaft oder Königinnenfuttersaft genannt, gehört zu den besonderen Produkten des Bienenvolkes. Es handelt sich um einen Futtersaft, den junge Ammenbienen in speziellen Drüsen ihres Kopfes erzeugen.
Dieser Futtersaft spielt eine zentrale Rolle bei der Aufzucht der Bienenkönigin. Königinnenlarven werden während ihrer Entwicklung besonders mit diesem Futtersaft versorgt; auch die erwachsene Königin wird damit ernährt.
Die Herkunft des Gelée Royale
Die Bienenzucht begleitet den Menschen seit Jahrtausenden. Dennoch blieben viele Vorgänge innerhalb des Bienenvolkes lange Zeit ein Geheimnis.
Im 17. Jahrhundert beschäftigte sich der holländische Zoologe Jan Swammerdam intensiv mit dem Leben der Bienen. Bei seinen Beobachtungen entdeckte er in den sogenannten Königinnenzellen eine auffällige, weißliche und geleeartige Substanz.
In diesen besonderen Zellen entwickelt sich die zukünftige Königin. Die Larve liegt dabei in einer größeren Menge dieses Futters. Die Beobachtungen führten zu einem besseren Verständnis der besonderen Ernährung der Königinnenlarve.
Was macht eine Biene zur Königin?
Eine der faszinierendsten Besonderheiten des Bienenvolkes ist die unterschiedliche Entwicklung der Bienenwesen. Königinnenlarven erhalten während ihrer Entwicklung reichlich Königinnenfuttersaft. Bei den Arbeiterinnen verändert sich die Ernährung im weiteren Verlauf der Larvenentwicklung.
Die Königin erhält auch nach ihrer Entwicklung weiterhin Gelée Royale als besondere Nahrung. So steht dieser Futtersaft unmittelbar mit einem der bemerkenswertesten Entwicklungsprozesse des Bienenvolkes in Verbindung.
Ein besonderer Futtersaft
Gelée Royale ist eine weißliche bis mattgelbe, dickliche Substanz mit einem charakteristischen, säuerlichen Geschmack.
Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau besteht Gelée Royale ungefähr zu 70 Prozent aus Wasser und zu 30 Prozent aus Trockensubstanz. Die Trockensubstanz enthält unter anderem Proteine, Kohlenhydrate, Fette sowie weitere natürliche Bestandteile.
Zu den charakteristischen Bestandteilen gehört die Fettsäure 10-Hydroxy-2-transdecensäure (10-HDA). Daneben enthält Gelée Royale unter anderem Aminosäuren, Zucker, B-Vitamine und weitere Stoffe.
Die Aminosäuren
In der historischen Literatur über Gelée Royale wird besonders auf seinen Gehalt an Aminosäuren hingewiesen. Genannt werden unter anderem:
- Arginin
- Tryptophan
- Methionin
- Isoleucin
- Histidin
- Phenylalanin
- Threonin
- Valin
- Lysin
- Cystein
- Leucin
- Glutaminsäure
Ein Teil dieser Aminosäuren gehört zu den essentiellen Aminosäuren, die der menschliche Körper nicht selbst in ausreichender Menge herstellen kann.
Die Vitamine im Gelée Royale
Auch die Vitamine nehmen in der Literatur über Gelée Royale einen wichtigen Platz ein. Beschrieben werden insbesondere verschiedene Vitamine des B-Komplexes sowie weitere vitaminähnliche Bestandteile.
- Vitamin B1
- Vitamin B2
- Vitamin B6
- Niacin
- Pantothensäure
- Biotin
- Folsäure
- Vitamin C
- Vitamin E
- Inositol
Wie wird Gelée Royale gewonnen?
Die Gewinnung von Gelée Royale unterscheidet sich deutlich von der Gewinnung von Honig. Da ein Bienenvolk normalerweise nur begrenzte Mengen dieses Futtersaftes produziert, benötigt die Imkerei dafür ein spezielles Verfahren.
Der Imker stellt künstliche Königinnenzellen beziehungsweise Weiselnäpfchen bereit und setzt junge Larven hinein. Das Bienenvolk erkennt diese Larven als zukünftige Königinnenlarven und beginnt, die Zellen entsprechend zu versorgen.
Dabei produzieren die Ammenbienen größere Mengen Königinnenfuttersaft. Nach einigen Tagen kann dieser aus den Zellen entnommen werden. Nach Angaben der LWG liegt die größte Menge ungefähr am dritten Pflegetag vor.
Ein aufwendiges Naturprodukt
Gelée Royale entsteht im Bienenvolk nur in kleinen Mengen. Seine Gewinnung ist deshalb vergleichsweise aufwendig und erfordert spezielle imkerliche Kenntnisse.
Im Gegensatz zu Honig kann der Imker nicht einfach große Vorräte aus den Waben entnehmen. Die Erzeugung von Gelée Royale ist vielmehr ein eigener Bereich der Imkerei.
Die richtige Lagerung
Frisches Gelée Royale ist empfindlich gegenüber Wärme, Licht und Feuchtigkeit. Nach der Gewinnung sollte es deshalb möglichst schnell verarbeitet beziehungsweise sachgerecht gelagert werden.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau empfiehlt eine kühle, dunkle und luftdichte Lagerung. Auch Gefriertrocknung wird eingesetzt, um das Produkt länger haltbar zu machen.
Gelée Royale und die Gesundheit
In älteren Büchern über Gelée Royale werden zahlreiche positive Wirkungen beschrieben. Auch Alin Caillas widmet diesem Thema einen großen Teil seines Werkes und berichtet über Beobachtungen und Behandlungen aus seiner Zeit.
Dort werden unter anderem Wirkungen auf das Allgemeinbefinden, Müdigkeit, Appetit, Blutbildung, Wachstum, Blutdruck, Herz und Kreislauf, Haut, Wechseljahresbeschwerden und weitere Bereiche beschrieben.
Historische Aussagen und heutiger Wissensstand:
Die genannten gesundheitlichen Wirkungen geben die historische Auffassung der damaligen Autoren und Ärzte wieder. Sie sollten nicht als heutiger medizinischer Wirksamkeitsnachweis verstanden werden. Die LWG weist darauf hin, dass Wirkungen auf die menschliche Gesundheit nicht eindeutig wissenschaftlich belegt sind.
Was bleibt trotzdem faszinierend?
Auch wenn man historische Heilversprechen kritisch betrachtet, bleibt Gelée Royale ein außergewöhnliches Naturprodukt.
Seine eigentliche Besonderheit zeigt sich bereits im Bienenvolk: Die Ammenbienen erzeugen den Futtersaft, die Larve wird damit versorgt und aus ihr entwickelt sich eine Königin.
Gelée Royale steht damit unmittelbar mit einem der faszinierendsten Entwicklungsprozesse der Bienen in Verbindung.
Gelée Royale und der Mensch
Heute wird Gelée Royale vor allem als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Seine natürliche Zusammensetzung macht es für viele Menschen interessant.
Gleichzeitig sollte zwischen der Faszination für das Naturprodukt und medizinischen Versprechen unterschieden werden. Gelée Royale ist kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.
Auch bei natürlichen Produkten gilt: Natürlich bedeutet nicht automatisch harmlos oder für jeden Menschen geeignet. Gelée Royale kann allergische Reaktionen auslösen; bei bekannten Allergien gegen Bienenprodukte ist besondere Vorsicht angebracht.
Ein Schatz aus dem Bienenvolk
Gelée Royale ist mehr als nur ein Produkt, das der Mensch aus dem Bienenstock gewinnt. Es erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen sozialen Organismus.
Die Ammenbienen erzeugen den Futtersaft. Die Larve wird damit versorgt. Die Königin entsteht. Und schließlich entwickelt sich daraus ein neues Kapitel im Leben des gesamten Bienenvolkes.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Faszination des Gelée Royale: nicht nur in dem, was in ihm enthalten ist, sondern in der Geschichte, die hinter seiner Entstehung steht.
Kurz zusammengefasst
- wird von jungen Ammenbienen produziert
- dient insbesondere der Aufzucht der Königin
- enthält Proteine, Aminosäuren, Kohlenhydrate und Fette
- enthält verschiedene B-Vitamine und weitere natürliche Bestandteile
- enthält die charakteristische Fettsäure 10-HDA
- wird nur in kleinen Mengen produziert
- erfordert für die Gewinnung ein spezielles imkerliches Verfahren
- ist empfindlich gegenüber Wärme, Licht und Feuchtigkeit
- wird frisch oder verarbeitet, unter anderem gefriergetrocknet, angeboten
- wird traditionell mit zahlreichen gesundheitlichen Wirkungen verbunden
- diese gesundheitlichen Wirkungen sind wissenschaftlich nicht eindeutig belegt
Quellen und Literatur
Alin Caillas: Drei Schätze der Gesundheit – Der Pollen – Gelée Royale, deutsche Übersetzung Brigitte Eichele.
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Informationen zu Weiselfuttersaft, Zusammensetzung, Gewinnung und Lagerung.
Die historischen Aussagen aus dem Buch wurden für diese Seite zusammengefasst und neu formuliert.
Die gesundheitlichen Aussagen werden bewusst von der heutigen wissenschaftlichen Bewertung getrennt.