Honiggewinnung – vier Wege zum kostbaren Bienenprodukt

Honig kann auf unterschiedliche Weise aus der Wabe gewonnen werden. Die vier klassischen Formen sind Schleuderhonig, Presshonig, Tropfhonig und Wabenhonig. Jede Methode hat ihre eigenen Eigenschaften und verändert den Umgang mit Wabe, Wachs und Honig.

Honiggewinnung aus der Bienenwabe
Interessant: Die deutsche Honigverordnung unterscheidet ausdrücklich zwischen Tropfhonig, Schleuderhonig, Presshonig und Wabenhonig. Presshonig darf durch Pressen brutfreier Waben gewonnen werden, mit oder ohne Erwärmung bis höchstens 45 °C.

Was ist Honig?

Honig entsteht, wenn Honigbienen Nektar von Pflanzen oder andere pflanzliche Sekrete aufnehmen, mit eigenen Stoffen verändern, in den Waben einlagern, Wasser entziehen und dort reifen lassen. Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere Fructose und Glucose, sowie aus organischen Säuren, Enzymen und natürlichen festen Bestandteilen.

Die Farbe, der Geschmack und das Aroma hängen unter anderem von der botanischen Herkunft des Honigs ab. Deshalb kann Honig je nach Tracht sehr unterschiedlich aussehen und schmecken.

1. Schleuderhonig

Beim Schleudern werden die entdeckelten, brutfreien Waben in eine Honigschleuder eingesetzt. Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Zellen geschleudert. Die Wabe bleibt dabei weitgehend erhalten und kann dem Bienenvolk wieder zur Verfügung gestellt werden.

Vorteile des Schleuderns

Mögliche Nachteile

Die LWG beschreibt beim Schleudern unterschiedliche Schleudertypen und weist darauf hin, dass besonders junge Waben vorsichtig behandelt werden sollten, um Wabenbruch zu vermeiden.

2. Presshonig

Beim Pressen wird der Honig durch mechanischen Druck aus brutfreien Waben gewonnen. Die Wabe wird dabei zerstört. Nach der Gewinnung bleibt das Wachs zurück und kann weiterverarbeitet werden.

Die zerstörte Wabe ist nicht nur ein Nachteil.
Sie kann zugleich einen wichtigen Vorteil darstellen: Das Wabenwerk kann nach der Honigernte vollständig erneuert werden. Dadurch lässt sich ein konsequenter Wachskreislauf mit regelmäßig neuem Wabenbau umsetzen.

Vorteile des Pressens

Was sagt die wissenschaftliche Untersuchung?

Eine 2017 veröffentlichte Studie von Kadri, Zaluski und Orsi verglich Honig aus zwölf Bienenvölkern: sechs Proben wurden durch Zentrifugieren und sechs durch Pressen gewonnen. In der untersuchten Stichprobe zeigte der Presshonig höhere Werte bei verschiedenen untersuchten ernährungsphysiologischen und mineralischen Parametern. Besonders deutlich war der Unterschied beim Pollen: Im Presshonig wurde eine etwa 5,6-fach höhere Pollenmenge festgestellt als im zentrifugierten Honig.

Die Studie untersuchte außerdem unter anderem Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Flavonoide, Ascorbinsäure sowie verschiedene Mineralstoffe. Die Untersuchung bezog sich auf die konkret untersuchten Proben.

Mögliche Nachteile

Wabenerneuerung: Dass die Wabe beim Pressen zerstört wird, kann bewusst als Teil einer Wabenerneuerung gesehen werden. Die LWG weist darauf hin, dass sich in älterem Bienenwachs im Laufe der Zeit verschiedene Stoffe anreichern können, darunter gegebenenfalls Rückstände aus Varroabehandlung, Pflanzenschutzmitteln und Umweltbelastungen. Sie empfiehlt deshalb, Waben spätestens nach etwa drei Jahren zu ersetzen.

3. Tropfhonig – Honig darf langsam aus der Wabe laufen

Beim Tropfhonig wird die entdeckelte, brutfreie Wabe so behandelt, dass der Honig ohne Schleudern herauslaufen und abtropfen kann. Die deutsche Honigverordnung führt Tropfhonig ausdrücklich als eigene Gewinnungsart auf.

Vorteile

Mögliche Nachteile

4. Wabenhonig – der Honig bleibt in der Wabe

Beim Wabenhonig wird der Honig nicht aus der Wabe entfernt. Die gedeckelte, brutfreie Honigwabe wird ganz oder in Stücke geschnitten und als Wabenhonig angeboten. Die Wabe wird damit selbst Teil des Lebensmittels.

Hier bleibt der Honig dort, wo die Bienen ihn eingelagert haben: in der Wabe.

Vorteile

Mögliche Nachteile

Der große Unterschied: Was geschieht mit der Wabe?

GewinnungsartWas geschieht?WabeCharakter
SchleuderhonigHonig wird durch Zentrifugalkraft entfernt.Bleibt weitgehend erhalten.Effizient und wabenfreundlich.
PresshonigHonig wird durch Druck gewonnen.Wird zerstört.Traditionell, vollständige Wabenerneuerung möglich.
TropfhonigHonig läuft aus der entdeckelten Wabe.Wird geöffnet.Langsam und ursprünglich.
WabenhonigHonig bleibt in der Wabe.Wird als Produkt angeboten.Ursprüngliche Angebotsform.

Wabenerneuerung – ein wichtiger Punkt

Die Frage nach der Lebensdauer von Waben ist bei der Wahl der Gewinnungsmethode besonders interessant. Beim Schleudern können Waben erhalten und wieder eingesetzt werden. Das spart den Bienen den erneuten Aufbau, bedeutet aber auch, dass eine Imkerei den Wachskreislauf bewusst steuern und alte oder ungeeignete Waben regelmäßig aussortieren muss.

Die LWG beschreibt die regelmäßige Erneuerung von Waben als Bestandteil einer guten Betriebsweise und nennt die Wabenerneuerung unter anderem im Zusammenhang mit der Gesundheitsvorsorge.

Beim Presshonig wird die Wabe dagegen zwangsläufig zerstört. Genau dieser Punkt kann als Vorteil betrachtet werden: Nach der Ernte kann konsequent mit frischem Wabenbau weitergearbeitet werden. Die Entscheidung für Presshonig ist damit nicht nur eine Frage der Honiggewinnung, sondern auch eine Frage des gesamten Wachskreislaufs.

Ein Blick auf die Temperatur

Honig ist ein empfindliches Naturprodukt. Die Honigverordnung definiert Presshonig als Honig, der durch Pressen brutfreier Waben ohne oder mit Erwärmung auf höchstens 45 °C gewonnen wird. Die Leitsätze für Honig betonen außerdem, dass bei Lagerung, Transport und Abfüllung eine Wärmeschädigung vermieden werden soll.

Für die Qualität des fertigen Honigs ist deshalb nicht allein die Gewinnungsmethode entscheidend, sondern auch, wie mit dem Honig nach der Ernte umgegangen wird.

Warum Presshonig wissenschaftlich besonders interessant ist

Die Untersuchung von Kadri, Zaluski und Orsi zeigt, dass die Art der Gewinnung einen Einfluss auf die gemessene Zusammensetzung des Honigs haben kann. In ihrer Untersuchung enthielt der Presshonig mehr Pollen sowie höhere Mengen verschiedener untersuchter Nährstoffe und Mineralstoffe als der zentrifugierte Vergleichshonig.

Eine mögliche Erklärung ist, dass beim Pressen nicht nur der frei aus den Wabenzellen austretende Honig gewonnen wird, sondern durch den mechanischen Druck auch weitere Bestandteile aus der Wabe stärker in den Honig gelangen.

Wissenschaftlicher Hinweis: Aus einer einzelnen Studie mit zwölf Völkern lässt sich kein allgemeines Qualitätsurteil über alle Press- oder Schleuderhonige ableiten. Die Ergebnisse zeigen jedoch einen messbaren Unterschied zwischen den untersuchten Gewinnungsverfahren und sind deshalb für die Betrachtung traditioneller Honiggewinnung interessant.

Welche Methode ist die richtige?

Die Antwort hängt davon ab, was im Mittelpunkt steht. Wer große Mengen effizient gewinnen und die Waben erhalten möchte, wird eher schleudern. Wer Naturbau, traditionelle Verarbeitung und regelmäßige Wabenerneuerung miteinander verbinden möchte, kann im Pressverfahren besondere Vorteile sehen. Das Austropfen steht für eine sehr einfache und ursprüngliche Gewinnung. Beim Wabenhonig bleibt schließlich die gesamte Wabe mit dem Honig als Produkt erhalten.

Keine dieser Methoden ist allein durch ihre Bezeichnung automatisch die „beste“. Entscheidend sind Betriebsweise, Wachsmanagement, Hygiene, Honigreife, Verarbeitung und der Umgang mit dem Bienenvolk.

Vier Methoden – vier unterschiedliche Wege:
Schleudern erhält die Wabe · Pressen ermöglicht konsequente Wabenerneuerung · Tropfen lässt den Honig langsam aus der Wabe gewinnen · Wabenhonig bewahrt Honig und Wabe gemeinsam.

Kurz zusammengefasst

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Honigverordnung:
Gesetze-im-Internet – Anlage 1 HonigV

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG):
LWG – Produkte der Bienen: Honig

LWG – Produktionstechnik Honig:
Honig – von der Wabe bis ins Glas

LWG – Melezitose:
Hinweise zu Schleudern, Pressen und Wabenhonig

Wissenschaftliche Studie:
Kadri SM, Zaluski R, Orsi RO (2017): Nutritional and mineral contents of honey extracted by centrifugation and pressed processes.
PubMed – PMID 27719904

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