Vespa velutina

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Asiatische Hornisse – Gefahr oder natürliche Herausforderung?

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich in Deutschland zunehmend aus und stellt insbesondere für die Imkerei eine neue Herausforderung dar. Honigbienen gehören zu ihren Beutetieren, weshalb stark frequentierte Bienenvölker unter erheblichem Jagddruck stehen können.

Gleichzeitig sollte man die Situation differenziert betrachten. Nicht jedes Bienenvolk wird gleichermaßen betroffen, und über die langfristigen Auswirkungen auf unsere heimische Natur gibt es noch offene Fragen.

Die Asiatische Hornisse ist damit weder ein harmloses Insekt noch zwangsläufig eine Katastrophe für unsere Ökosysteme. Sie ist eine neue Art in unserer Landschaft, mit der Imkerei und Naturschutz lernen müssen umzugehen.

Merkmale und Erkennung

Die Asiatische Hornisse ist kleiner und dunkler als die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro).

Typische Merkmale sind ein fast schwarzbrauner Brustbereich, ein orange-gelbes Gesicht, gelbe Beinenden und ein überwiegend dunkler Hinterleib mit gelb-orangefarbenem Band am hinteren Drittel.

Arbeiterinnen erreichen 1,5–2,5 cm, Königinnen bis 3 cm.

Sie ist ausschließlich tagaktiv, während die Europäische Hornisse auch abends und nachts fliegt

ASIATISCHE HORNISSE

Gefahr, Einwanderer oder Teil der Natur?

Wenn wir über die Asiatische Hornisse sprechen, begegnen uns häufig Begriffe wie „invasive Art“, „Gefahr für die Bienen“ oder „Bedrohung für unsere Natur“.

Doch was steckt wirklich dahinter?

Die Asiatische Hornisse, Vespa velutina, ist ein faszinierendes Insekt. Sie ist eine geschickte Jägerin, lebt in großen Staaten und hat sich innerhalb weniger Jahre über weite Teile Europas ausgebreitet.

Aber ihre Geschichte beginnt nicht bei uns.

WOHER KOMMT DIE ASIATISCHE HORNISSE?

Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Süd- und Südostasien.

Die in Europa vorkommende Form Vespa velutina nigrithorax stammt unter anderem aus Regionen Chinas sowie aus dem Grenzgebiet zwischen Indien und Myanmar.

Im Jahr 2004 wurde sie erstmals in der Nähe von Bordeaux in Frankreich nachgewiesen. Vermutlich gelangte sie unabsichtlich mit Importwaren nach Europa.

Von Frankreich aus begann eine bemerkenswerte Ausbreitung.

2014 wurde die Asiatische Hornisse erstmals in Deutschland entdeckt. Seitdem wurde sie in immer weiteren Regionen nachgewiesen. Auch Bayern ist inzwischen betroffen.

EIN NEUER BEWOHNER EUROPAS

Vielleicht ist genau hier die interessante Frage:

Ist ein Tier, das aus einer anderen Region zu uns gelangt, automatisch ein Feind?

Die Antwort ist nicht ganz so einfach.

Die Asiatische Hornisse ist in Europa nicht heimisch und kann insbesondere für Honigbienen und andere Insekten Auswirkungen haben. Deshalb wird ihre Ausbreitung beobachtet und in bestimmten Situationen bekämpft.

Gleichzeitig ist sie ein Lebewesen mit eigenen Fähigkeiten, Verhaltensweisen und einer langen Entwicklungsgeschichte.

In ihrer ursprünglichen Heimat gehört sie seit langer Zeit zum dortigen Ökosystem.

In Europa trifft sie dagegen auf eine Umwelt, in der sie ursprünglich nicht vorkam.

DIE JÄGERIN

Die Asiatische Hornisse ernährt sich von vielen verschiedenen Insekten.

Besonders interessant für uns Imker ist ihre Beziehung zur Honigbiene.

Hornissen können vor den Fluglöchern von Bienenvölkern auf Beute warten. Dort fangen sie heimkehrende Sammlerinnen ab.

Für einzelne Bienen ist das zunächst ein natürlicher Vorgang:

Jäger und Beute.

Problematisch kann es werden, wenn viele Hornissen über längere Zeit ein Bienenvolk unter Druck setzen.

Dann kann der Flugbetrieb zurückgehen und das Volk erheblich belastet werden.

Eine Möglichkeit die Jagd der Asiatische Hornisse am Bienenstock zu unterbinden.

Es hat auch den Vorteil der Teilbeschattung des Bienenstocks

DOCH WAS GESCHIEHT IN ASIEN?

In ihrer ursprünglichen Heimat lebt die Asiatische Hornisse gemeinsam mit zahlreichen anderen Arten.

Dort gibt es andere Nahrungskonkurrenten, Krankheitserreger, Parasiten und natürliche Gegenspieler.

Es gibt also nicht den einen großen „Feind“, der die Asiatische Hornisse kontrolliert.

Vielmehr ist sie Teil eines komplexen natürlichen Netzes.

Und genau dieses Netz unterscheidet sich von dem in Europa.

HAT SIE BEI UNS NATÜRLICHE FEINDE?

Natürlich kann auch eine Asiatische Hornisse hier zur Beute anderer Tiere werden.

Vögel, Spinnen und andere räuberische Tiere können einzelne Hornissen erbeuten. Eine ausreichende natürliche Regulierung der gesamten Population ist dadurch nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht zu erwarten.

Trotzdem können wir die natürlichen Feinde der Hornisse unterstützen. Dazu gehört zum Beispiel Nistmöglichkeiten der Vögel zu fördern.

Das bedeutet:

Die Hornisse ist auch hier nicht ohne Feinde.

Aber das Zusammenspiel vieler natürlicher Faktoren, das ihre Population in ihrer ursprünglichen Heimat beeinflusst, ist in Europa ein anderes.

UND WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE BIENEN?

Für Imker ist die Situation besonders interessant.

Honigbienen gehören zum natürlichen Beutespektrum der Asiatischen Hornisse. Bei starkem Jagddruck können Bienenvölker erheblich belastet werden.

Doch auch hier lohnt sich ein genauer Blick.

Nicht jedes Bienenvolk wird gleichermaßen betroffen. Nicht jeder Kontakt mit einer Hornisse bedeutet eine Gefahr für das gesamte Volk.

Die Auswirkungen hängen unter anderem von der Anzahl der Hornissen, der Nähe eines Nestes, der Stärke des Bienenvolkes und den örtlichen Bedingungen ab.

GEFAHR ODER PANIK?

Vielleicht liegt die Wahrheit – wie so oft in der Natur – irgendwo zwischen den Extremen.

Die Asiatische Hornisse ist keine harmlose Erscheinung für die Imkerei. Ihre Ausbreitung sollte beobachtet werden.

Aber sie ist auch kein geheimnisvolles Monster, das unsere gesamte Natur vernichten wird.

Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass bisher keine ausreichenden Belege für eine Beeinträchtigung der Biodiversität in Europa vorliegen. Gleichzeitig werden mögliche Auswirkungen weiterhin beobachtet und untersucht.

Das bedeutet:

Wir wissen bereits einiges.

Aber wir wissen noch lange nicht alles.

EIN NEUES GLEICHGEWICHT?

Vielleicht ist genau das der spannendste Teil dieser Geschichte.

Die Natur befindet sich ständig in Bewegung.

Arten kommen und verschwinden. Lebensräume verändern sich. Jäger und Beute passen sich gegenseitig an.

Wenn eine neue Art in ein Ökosystem gelangt, verändert sie bestehende Beziehungen.

Was daraus langfristig entsteht, lässt sich nicht immer sofort erkennen.

Vielleicht erleben wir gerade einen kleinen Ausschnitt eines viel größeren ökologischen Prozesses.

DIE BIENE UND DIE HORNISSE

Für uns als Imker steht natürlich die Biene im Mittelpunkt.

Wir beobachten das Verhalten unserer Völker, ihre Stärke, ihren Flugbetrieb und ihre Reaktion auf die Umwelt.

BEOBACHTEN STATT ANGST HABEN

Vielleicht ist Wissen der beste Schutz vor unnötiger Angst.

Wer die Asiatische Hornisse erkennt, kann Beobachtungen melden. Wer ihre Lebensweise versteht, kann Situationen besser einschätzen.

Und wer die Natur aufmerksam beobachtet, erkennt vielleicht etwas ganz anderes:

Natur ist kein statisches System.

Sie verändert sich ständig.

Die Frage ist nicht nur, was wir gegen eine neue Art tun können.

Vielleicht müssen wir auch verstehen, wie sie sich in unsere Landschaft einfügt und welche Veränderungen dadurch entstehen.

EIN INSEKT ZWISCHEN ZWEI WELTEN

Die Asiatische Hornisse ist ein Einwanderer.

Sie gehört ursprünglich nach Asien und lebt heute auch in Teilen Europas.

Für die Imkerei kann sie eine ernstzunehmende Herausforderung sein. Gleichzeitig bleibt sie ein Teil der Natur, den wir beobachten, erforschen und verstehen müssen.

Vielleicht sollten wir deshalb weder verharmlosen noch dramatisieren.

Sondern hinschauen.

Denn manchmal beginnt Verständnis genau dort, wo die Angst aufhört.

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